Geschichte

Von 1954 bis 1999 existierte auf dem Territorium der Gemeinde Weeze der britische Militärflugplatz Laarbruch. Seit 2003 wird der ehemalige Militärflughafen zivil genutzt und heißt heute „Airport Weeze“. Der vorliegende Text will eine kurze Einführung in die Geschichte des Flughafens der Royal Air Force (RAF) geben. Eine ausführlichere Darstellung findet sich am Ende des Textes (Link) in Form einer PDF-Datei. Ferner finden sich dort Links zu verschiedenen Organisationen, Staffeln und Freunden der RAF, die in irgendeiner Form in Verbindung zur RAF Laarbruch stehen.

Zur Zeit des Kalten Krieges entschieden sich die NATO-Staaten, Westdeutschland und besonders das Rheinland zum „unsinkbaren Flugzeugträger“ auszubauen. Die Royal Air Force übernahm den Aufbau der militärischen Infrastruktur im nördlichen Rheinland. Zahlreiche militärische Fliegerhorste wurden errichtet, darunter RAF Wildenrath, RAF Brüggen und RAF Geilenkirchen. Im Jahre 1953 begann der Bau des Flugplatzes RAF Laarbruch. Dort gab es schon vor dem Krieg einen Flugplatz für Segelflieger.


Im November 1954 wurde der militärische Flugbetrieb aufgenommen. Mit wechselnder Besetzung waren in den ersten Jahren meist 3 RAF-Staffeln auf Laarbruch stationiert. Zu Beginn der 80er Jahre erfolgte ein umfangreicher Ausbau, so dass fortan 4 Staffeln mit über 60 Kampfjets unter modernsten Bedingungen auf Laarbruch beherbergt werden konnten. Neben RAF Brüggen war RAF Laarbruch der am besten ausgerüstete NATO-Flugplatz der Royal Air Force in Deutschland, zumal alle Staffeln bis 1989 auf den seinerzeit hochmodernen „Tornado“-Kampfbomber umgerüstet wurden. Rund 2200 Soldaten arbeiteten auf Laarbruch. Mit ihren Familien wohnten rund 6000 Briten auf Laarbruch, in Goch und in der sogenannten „Engländersiedlung“ in Weeze. Ihre Präsenz prägte die Region.
Vielfache Kontakte und Kooperationen auf allen Ebenen kennzeichneten das freundschaftliche Verhältnis zwischen den Briten und ihren Gastgebern in Weeze und den angrenzenden Gemeinden. Mit rund 600 deutschen Zivilangestellten war die RAF Laarbruch nach eigenen Angaben der größte Arbeitgeber im Umkreis von 40 km. Etwa 100 Mio. DM an Kaufkraft flossen in die regionale Volkswirtschaft.

Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes begann der Abzug der RAF aus Deutschland. Zunächst wurden die britischen Flugplätze RAF Gütersloh und RAF Wildenrath geschlossen. 1994 fiel die Entscheidung, auch den RAF-Standort Weeze zu schließen. Die Gemeinde Weeze richtete zwar eine Petition an das britische Unterhaus, die RAF nicht abzuziehen, doch der Entschluss stand fest: Laarbruch wird geschlossen. Das Personal auf Laarbruch wurde nun schrittweise reduziert. Im Mai 1999 verließen die letzten Jets den Flughafen. Am 30. November desselben Jahres wurde das Gelände von der RAF an die deutschen Behörden übergeben. Viele Briten waren allerdings am Niederrhein heimisch geworden und blieben als Zivilisten in der Region. Man schätzt die Zahl auf rund 150 ehemalige Militärangehörige, die als Zivilisten am Niederrhein geblieben sind.

Nach einem „Dornröschenschlaf“ von rund zwei Jahren begann 2001 der Umbau des Geländes für die zivile Folgenutzung. Am 1. Mai 2003 fand die Aufnahme des zivilen Flugbetriebes statt; die Geschichte des zivilen Airports Weeze ist auf der Homepage der Aktionsgemeinschaft „pro:niederrhein“ ausführlich dokumentiert.

Schon vor Abzug der Briten aus Weeze begannen interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Weeze, darunter viele heimisch gewordene Briten, Dokumente aus der Zeit der RAF Laarbruch zu sammeln, um diese eines Tages museal präsentieren zu können. Am 3. Juni 2007 war es so weit: Das Museum „Royal Air Force Laarbruch – Weeze“ wurde im Beisein zahlreicher Gäste feierlich eröffnet. Die Ausstellung wächst seither kontinuierlich. Eine Unterstützung der Weiterentwicklung des Museums durch Rat und Tat, Spenden oder Ausstellungsgegenstände ist stets willkommen.

Text: Rolf Toonen